Integrales Risikomanagement

  • Integrales Risiko­management

    Das integrale Risikomanagement schliesst alle Aspekte ein, die mit Naturgefahrenereignissen, der Intervention, der Bewältigung und der Prävention zu tun haben. Es muss zwischen episodisch auftretenden Ereignissen samt den direkt damit verbundenen Aspekten und der Prävention unterschieden werden. Die Prävention ist ein kontinuierlicher Kreislauf, der mit dem Auftreten von Ereignissen nur lose verbunden ist.

    Grundschema des integralen Risikomanagements
  • Die eher seltenen Bilder schnell ablaufender Prozesse sind wertvoll, um die Dynamik plastisch zu vermitteln. Aus dem Bild wird offenkundig, dass die Intervention während des Prozesses in mancher Hinsicht schwierig ist und spezielle Anforderungen stellt.
    Hochwasser Glatt, 10.7.2011, Bild von einem Anwohner zur Verfügung gestellt.
  • Im Hintergrund ist ein Teil einer mächtigen Ablagerung von Holz an einer Brück sichtbar. Dadurch wird das Überströmen der Brücke verhindert und ein grosser Teil des Abflusses seitlich weggelenkt. Auch beim Abklingen des Hochwassers ist die Ablagerung noch vorhanden. Für eine erfolgreiche Intervention fehlten Zeit oder Ressourcen. Fotos liefern oft wichtige Hinweise zu Subprozessen.

    Foto von der Familie Bösch, Johannesbad, zur Verfügung gestellt. Hochwasser vom 10.7.2011, Glatt, Herisau
  • Niederschlagsanalysen stehen oft am Anfang einer umfassenden Ereignisanalyse, da sie in vielen Fällen die wesentliche Ursache von Hochwasser und spontanen Rutschprozessen darstellen.
    Auswertung der Niederschlagsanalyse Unwetter 10.7.2011, Region Herisau und Urnäsch.
  • Die Gefahrenkarte stellt innerhalb des festgelegten Perimeters alle einwirkenden Gefährdungen dar. Gründe für eine Nachführung kann ein Ereignis sein. In der Regel sind es Massnahmen, Veränderungen, Veraltung, Ausdehnung der Nutzung u.ä. Die Gefahrenkarte stellt ausschliesslich eine Gefährdung dar und berücksichtigt die Nutzung nicht. Hier wird die Frage, was passieren könne, mit der Gefahreneinwirkung beantwortet.

    Darstellung der Gefahrenkarten nach Hauptprozessen. In der grösseren Darstellung (synoptische Gefahrenkarte) sind einander alle Proezssarten überlagert.
  • Die Risikokarte stellt jährliche Schadenerwartungswerte dar (Risiken). Risiken sind eine über die Zeit instabile Grösse, da sich das Schadenspotential rasch ändert. Nachführungsgründen entsprechen jenen für die Gefahrenkarte. Im Vordergrund steht aber die Veränderung als Folge von Massnahmen. Hier wird die Frage, was passieren dürfe, mit den Risiken beantwortet. Es stehen also die Folgen von Gefahrenprozessen im Blickpunkt.

    Ermittlung des Sachrisikos am Beispiel Lawine (schematisch)
  • Gerade bei sogenannt brutalen Prozessarten (rasche, heftige Einwirkung) können die Personenrisiken für die Gesamteinschätzung einer gefährlichen Situation entscheidend werden.

    Ermittlung des Personenrisikos am Beispiel von Sturzprozessen.
  • Bei der Risikobewertung werden die Folgen gefährlicher Prozesse aus verschiedenen Blickwinkeln eingeordnet. Hilfreich ist es, wenn die z.B. die abstrakte Grösse der jährlichen Todesfallwahrscheinlichkeit in einen besser verständlichen Zusammenhang gestellt wird. Nebenstehend wird das Todesfallrisiko aus einer Sturzgefährdung mit der Sterbewahrscheinlichkeit (Bundesamt für Statistik) verglichen. Die Risikobewertung sollte in einem breit abgestützten Dialog erfolgen.

    Todesfallrisiko aus einer Sturzgefährdung mit der Sterbewahrscheinlichkeit (Bundesamt für Statistik) verglichen.
  • In Massnahmenkonzepten wird der gesamte Fächer möglicher Einzelmassnahmen in Erwägung gezogen. Konzepte zeigen in einer geringen Bearbeitungstiefe auf, mit welchen Massnahmentypen ein angemessener Schutz erreicht werden kann. In der Regel werden Varianten aufgezeigt. Im Vordergrund steht die optimale Kombination der Massnahmentypen und nicht die Detailplanung von Einzelmassnahmen.

    Der Massnahmenfächer ist hier schematisch in der Zusammenwirkung einzelner Massnahmentypen dargestellt. Unterhalt und Schutzwaldpflege umspannen alle übrigen Massnahmentypen.
  • Die Kosteneffizienz von Massnahmen ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Wahl einer Massnahme. Gestützt auf Risikobetrachtungen kann das mutmassliche Investitionsbudget für kosteneffiziente Massnahmen im Voraus geschätzt werden. Dies erleichtert die Planung von realistischen Massnahmen entscheidend.